Die Kastanie im Cilento
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Sie sind nicht leicht zu finden, die Kastanienhaine im Cilento. Man muß schon einen Ausflug in die Bergregion wagen, um selbst im Sommer im kühlen Schatten von Kastanienbäumen ein Picknick zu genießen.
Man sagt, daß in den Mittelmeerländern die Kastanienregion ab 300 Höhenmeter beginnt. Im Cilento liegt sie bei 500 m Höhe, auf ansteigendem Gebiet. Kennzeichnend sind außerdem der Wasserreichtum mit kleinen Quellen und hohem Farnbewuchs. Jedoch im Sommer findet man natürlich keine Esskastanien oder Marroni, man kann aber schon die stacheligen Kapseln sehen, die in schönem hellen Grün leuchten. Wer im Oktober dort ist, kann dann die Ernte erleben, die, wie alle bäuerliche Arbeit im Cilento schwere Arbeit ist und mit Hilfe der ganzen Familie erledigt wird. Sind die mit Maronen gefüllten Säcke zu Hause angelangt, wird sortiert: Die Marroni mit Würmern erfreuen die Schweine, die großen Früchte werden verkauft, die kleineren werden geröstet und freuen die Kinder, und eine Auswahl von den besten wird in Gefäßen, die mit Sand gefüllt sind, unter Sand eingelagert und können dann bei Bedarf verbraucht werden. So hat man einen Vorrat, der bis Februar frisch bleibt und der freut natürlich die ganze Familie.
Die Kastaniengeschichte im Cilento
Die Kastaniengeschichte beginnt vor 2 Millionen Jahren, die Eiszeiten beantwortet der wärmeliebende Baum mit Rückzug, um danach schon bei den Griechen wieder aufzutauchen. Ihr Name stammt von der Stadt Kastana am Schwarzen Meer in Kleinasien. Es wird vermutet, daß die Griechen bei der Gründung ihrer Kolonien im Mittelmeerraum die Kastanie in diese Gegenden mitbrachten. Es ist also davon auszugehen, dass die Kastanien schon von den Bewohnern in Paestum und Velia gekannt und genutzt wurden. Denn die Kastanie liefert nicht nur viel Stärke, Kalium, Magnesium und Vitamine ( B1,B2,B6,C,E ). Sie war zu allen Zeiten ein wichtiger Ernährungsfaktor in Form von Mehl oder als Gemüse, als Kraftfutter für die Tiere, sondern spielte wegen ihres Holzes eine große Rolle. Kastanienholz ist wie Eichenholz sehr wasserabweisend und damit sehr lang dauernd haltbar. Griechen und Römer verwendeten Kastanienholz für den Schiffbau, für Pfosten beim Weinbau, für Fässer, für Bauholz und als Holz für Gebrauchsgegenstände und Möbel. Auch der im Holz enthaltene Gerbstoff Tannin wurde und wird als Gerbmittel bei der Lederherstellung verwendet. Die Esskastanie ist also als Baum ein Multitalent und beinahe erstaunt man, weshalb es dann in der Cilento-Region nicht ausgedehntere Kastanienhaine gibt. Die Antwort ist einfach, aber traurig. Schuld ist der aus Amerika in den vierziger Jahren über Genua importierte Rindenkrebs, der viele Bestände in kurzer Zeit vernichtet hat. Wer die Kastanien im Cilento genau betrachtet, kann diese Geschichte bestätigen. Oft sieht man alte Bäume, die nach oben dürr und abgestorben sind, aber die aufgrund ihrer großen Wuchskraft im unteren Teil wieder austreiben und einen neuen Baum zu bilden versuchen. Man kann aber auch sehen, dass resistente Sorten aus China und Japan nach dem 2. Weltkrieg auch im Cilento einen neuen Bestand bilden.
Kastanienbotanik Castanea sativa Familie Fagacea
Die Esskastanie, auch Edelkastanie ist ein Verwandter der Eiche und beide wiederum zählen zu den Buchengewächsen, die überall verbreitet sind. In Asien und Nordamerika hat man Übergangsformen zwischen Esskstanien und Eichen gefunden. Die bei uns viel bekanntere Roßkastanie trägt ihren Namen der ähnlich aussehenden, aber ungenießbaren Früchten wegen, gehört aber überhaupt nicht zur Familie der Buchengewächse, sondern zur Familie der Rosengewächse. Die Esskastanie wird ein stattlicher Baum von ca. 30 Meter Höhe und breiter Krone. Esskastanien erreichen ein wahrhaft biblisches Alter. Ein Stammesdurchmesser von 1,20 m ergibt nach Jahresringen gezähltes Alter von ca. 300 Jahren, so dass viele Kastanienbäume in der Region auf eine weitaus längere Lebenszeit zurückblicken können. Die Esskastanie ist einhäusig, aber zweigeschlechtlich, dh. sie besitzt zwei Blütenformen auf einem Baum. Die männliche Blüten sind sehr lang, schmal und gelb und die weiblichen sind sehr unscheinbar und erscheinen an den Achseln der männlichen Blüte. Blütezeit ist der Juni. Die Befruchtung übernimmt zum größten Teil der Wind, aber zur Sicherheit und zur großen Freude aller Imker und Insekten produziert die männliche Blüte sehr wertvollen Pollen und Nektar, so dass eine Befruchtung in jedem Fall sichergestellt ist. Die Edelkastanie ist ein Tiefwurzler, der über ein ausgedehntes Wurzelsystem verfügt. Sie liebt Wärme und ausreichend Wasser. Bodenansprüche dagegen hat sie keine besonderen. Sie gehört zu den laubabwerfenden Bäumen. Ihre Blätter sind länglich- lanzettlich, meist stark gezähnt. Die Fruchtkapseln haben viele eng aneinandersitzende Stacheln. Sind die Maronen in der Kapsel reif, platzt die Kapsel sternförmig in vier Teile auf und entläßt den Samen. Aufgrund ihres Multitalents ( Mehl, Gemüse, Holz, Gerbstoffe ) und ihre Standhaftigkeit und Wärmeliebe hat die Esskastanie viele Freunde gefunden, die den Bestand auch in den Mischwäldern Mitteleuropas erweitern möchten. |